Das Geheimnis der leuchtenden Sommernächte
21. Juli 2026
«Wir hätten nie gedacht, dass es sie auch hier in der Stadt gibt».
Nicole Klopsch und Roli Baudenbacher / Freiwillige Glühwürmchen-Projekt
Nicole Klopsch und Roli Baudenbacher hatten die leuchtenden Insekten bereits am Tag zuvor
gesichtet. Glühwürmchen kannten sie bislang nur aus dem Urlaub in Italien. «Wir hätten nie
gedacht, dass es sie auch hier in der Stadt gibt», sagen sie begeistert. Die beiden gehören zu
den insgesamt 90 Freiwilligen, die am Citizen-Science-Projekt «Glühwürmchen in der Ostschweiz
» teilnehmen, welches der WWF Ostschweiz gemeinsam mit dem Walter Zoo Gossau
dieses Jahr lanciert hat. Ziel ist es, das Vorkommen der einheimischen Leuchtkäfer-Arten zu
dokumentieren. Denn bislang fehlen systematische Daten. «Glühwürmchen-Standorte helfen
uns, ökologisch intakte Lebensräume zu identifizieren», sagt Annina Quast vom WWF, die
das Projekt begleitet.
«Glühwürmchen-Standorte helfen uns, ökologisch intakte Lebensräume zu identifizieren
sowie Aufwertungen gezielt zu planen». Annina Quast / Projektmitarbeiterin Glühwürmchen
Jedes Freiwilligen-Team ist für ein festes Gebiet zuständig. Nicole und Roli betreuen neben
dem Galgentobel auch noch das Gebiet Wannen zwischen Wittenbach und Bernhardzell. Von
Mitte Juni bis Ende Juli, während der Glühwürmchen-Hochsaison, gehen die Teams wöchentlich
auf Kontrollgang und protokollieren ihre Beobachtungen. Bei den Funden handelt es sich
vor allem um den Grossen Leuchtkäfer, den häufigsten Vertreter in der Ostschweiz.
Beim Grossen Leuchtkäfer leuchten nur die flugunfähigen Weibchen. Sie sitzen geduldig auf
dem Boden, auf Blättern oder Grashalmen – und machen mit ihren Lichtsignalen Werbung
bei den herumschwirrenden Männchen. Das Leuchten (Biolumineszenz) entsteht durch eine
biochemische Reaktion am Hinterteil (Leuchtorgan), an welcher der Leuchtstoff Luciferin beteiligt
ist. Dabei setzen Glühwürmchen fast 100 Prozent der freigesetzten Energie in Licht um
– das ist energieeffizienter als jede Glühlampe.
Wie viele Insekten sind auch Glühwürmchen gefährdet: Pestizidverseuchte Böden setzen
ihnen ebenso zu wie die zunehmende Lichtverschmutzung. Wer die Tiere aufspüren will,
sollte vor allem an naturnahen Waldrändern, in der Nähe von Hecken oder Gewässern Ausschau
halten. Am besten sind die Bedingungen an trockenen, windstillen Sommerabenden ab
etwa 22 Uhr. Im Galgentobel zeigen sich die ersten Leuchtkäfer-Weibchen rund 30 Minuten
nach Sonnenuntergang als vereinzelte, grünliche Lichtpunkte im hohen Gras. Roli und Nicole
teilen sich die Fundorte immer wieder per Handyanruf mit. Sogar an gemähten Stellen lassen
sich einige entdecken. Die Leuchtfallen, welche wir unterwegs aufgestellt haben, funktionieren
ebenfalls: Sie locken tatsächlich drei Männchen in die Nähe.
Text und Foto: Claudio Weder
Weitere Informationen zum Glühwürmchen-Projekt unter: wwfost.ch/gluehwuermchen


